Jahresrückblick 2026

Es ist Anfang November, und mein Garten ist immer noch nicht in seiner wohlverdienten Winterruhe. Es gibt noch einiges zu tun, aber das Wetter hier am Niederrhein macht mir einen Strich durch die Rechnung. Heute, am 07.November 2026, hatten wir hier die erste Frostnacht, mit -2,4 Grad. Viele Hochbeete sind noch voll bestückt, mit Spinat, Feldsalat, Palmkohl, Rosenkohl und Grünkohl, Knoblauch und Winterporree, Mangold und Endivien, da gilt es also nur aufzupassen, dass rechtzeitig geerntet wird. Das große Erdbeerbeet habe ich im Herbst grundsanieren müssen, zu viele selbstausgesäte Einjährige und Beikräuter habe die Erdbeeren schwer in Bedrängnis gebracht. Also wurden diese ausgepflanzt und warten jetzt in Töpfen auf das zeitige Frühjahr für einen frühen Neustart. Das Beet ist mit Karton und einer dicken Laubschicht abgemulcht worden, und ich hoffe, dass das reicht, um das Beet beikräuterfrei zu haben im Frühjahr, mal sehen… Die letzten Fruchtgemüse, allen voran Spitzpaprika und Chili-Pflanzen stehen noch mit vollem Fruchtbehang im Gewächshaus, wo sie bisher die Herbstsonne genießen konnten – und ich hoffe, dass die z.T. noch spät angesetzten noch grünen Früchte nachreifen und zumindest etwas Farbe annehmen können, bevor ich sie ernten muss. Letzte „In-Stand-Haltungs-Arbeiten“ sind auch noch nicht abgeschlossen, auch hier bin ich wie letzten Jahr spät dran, das Pflaster einiger Wege muss noch von Blättern und Kräuterausläufern ebenso wie von Gras zwischen den Fugen gereinigt werden, und schließlich müssen Südpflanzen wie Oleander und Feige winterfest mit einer dicken Blätter. und Mulchschicht geschützt werden.
Der Sommer war sehr trocken, wir hatten hier am Niederrhein wochenlang von Mitte Juni bis Ende Juli keinen Regen. Gegossen wurden trotzdem nur die Anbauflächen mit Gemüse, und die Jungpflanzen und Setzlinge. Alle übrigen Flächen des Gartens mussten ohne Wasser auskommen und wurden nur in absoluten Notfällen gewässert.
Unser Igel hat sich dieses Jahr erfreulicherweise mehrfach gezeigt, so dass wir sicher sein konnten, dass er nach wie vor bei uns wohnt, und es gab Nachwuchs, zwei jung Igel konnten wir mehrfach auf der Apfelwiese beobachten. Es gibt mehrere Laubhügel und Totholzstapel, wo sie ihr Winterquartier ordentlich einrichten können. Aber noch sind sie aktiv, das Schüsselchen mit Futter, das ich allabendlich rausstelle, wird noch angenommen. Überhaupt hat die Zahl der übers Jahr zu beobachtenden Tier in meinem Garten beständig zugenommen, neben den Igeln konnte ich Molche, Frösche und Kröten, alle möglichen Arten von Wildbienen und Hummelarten, kleine Zauneidechsen, diverse Libellenarten, verschiedene Spinnen- und Käferarten-und auch Spitz-, Haus- und Feldmäuse bei meinen Arbeitseinsätzen im Garten immer wieder beobachten. Ein Eichhörnchen Paar hat seinen Kobel offenbar in unserem Wald gebaut und hat den ganzen Herbst über unseren Nussbaum beerntet – Es war sehr interessant zu sehen, wie sie hoch und runter, hin und her gelaufen sind auf der Suche nach weiteren Nüssen. Wir haben sie gewähren lassen, und dieses Jahr werde ich einen Großteil unserer Walnüsse wohl durch andere Nusssorten ersetzten müssen. 
Die Zahl der Schnecken hat sich in diesem Jahr erfreulicherweise in Grenzen gehalten, und meine Gemüseernte ist weitestgehend von Fraßschäden verschont geblieben, mit einigen wenigen Ausnahmen. 
Nach wie vor gibt es eine große Zahl an Vögeln im Garten, sie werden wöchentlich einmal an etlichen Futterstationen der verschiedensten Arten gefüttert, die vom Wintergarten aus gut zu sehen sind, so dass wir beim winterlichen Frühstück die Vögel beobachten können, die an diesen vielen Futterstellen fast täglich sich an den fettreichen Saatenmischungen bedienen. Zudem gibt es auch in diesem Jahr überall noch Fruchtstände und Beeren für sie alle hier, Schlehen, Schneebeeren, Hagebutten, Hartriegel, Weißdorn, Vogelbeeren, Callicarpa u.v.m. Bis zum Frühjahr darf der Garten mit all seinen Lebewesen nun ruhen. 
Meine Obstbaum-Lebensgemeinschaften aus den Vorjahren habe ich fortgeführt, rund um die Obstbäume auf der ehemaligen Wiese sind inzwischen große Rondelle entstanden und gut eingewachsen. Rund um die Obstbäume habe ich Rhabarber und Beinwell, Pimpinelle, Dill, Kapuzinerkresse, Wermut, Schafgarbe, Ringelblume, Dost und andere Kräuter angesiedelt und auch 2-3 Beerensträucher pro Baum gepflanzt, dazwischen kommen in großer Zahl von selbst eingewanderte Traubenhyazinthen, die im Frühjahr immer ein wunderschönes Bild ergeben und sich stetig durch Selbstaussaat vermehren und durch die Ameisen weitergetragen werden. Außerdem stehen am Rand der Rondelle von mir selbst vermehrte Salbeistecklinge, die jetzt im zweiten und dritten Jahr auch schon ganz beachtlich gewachsen sind. Aufgrund der vielen stark duftenden Kräuter hat die Zahl der Obstschädlinge doch spürbar abgenommen, und meine Äpfel sahen schon lange nicht mehr so gut aus wie in diesem Jahr. Die Pflaumenernte ist dafür dieses Jahr leider komplett ausgefallen, der Baum hing übervoll, aber in 7 von 10 Pflaumen waren Schädlinge drin, so dass das Ernten und Verarbeiten nicht wirklich viel Spaß gemacht hat. Habe im September einen dicken Leimring um den Stamm gebunden, bin aber nicht sicher, ob das sehr viel Abhilfe schaffen wird. 
Außerdem habe ich in diesem Jahr die Arbeit mit Bokashi fortgesetzt, was sich bewährt hat. Ich habe mir zwei 30Liter Fässer besorgt und befülle diese abwechselnd mit Kaffee-Satz, Teebeuteln (aus meinen eigenen Kräutern) und Bio-Abfall aus der Küche. Verteilt wird der Bokashi dann nach der Fermentierphase in den Hochbeeten, gemischt mit Rohkompost aus den Kompostmieten, und zwar immer dann, wenn ich ein Hochbeet auffüllen muss, weil das Substrat zu weit abgesackt ist. Es ist wirklich ein deutlicher Unterschied zu den Vorjahren zu beobachten, die Pflanzen in den Bokashi-Hochbeeten sind schneller aufgelaufen, waren deutlich wuchsfreudiger und haben mehr Ertrag geliefert als dort, wo (noch) kein Bokashi verteilt worden war. Grund genug für mich, dies auch weiterhin fortzuführen. Ich habe gelesen, das dem Bokashi zugesetzte Asche von Holzkohle besonders gute Ergebnisse bringen soll, das werde ich im nächsten Jahr ausprobieren.
Mit meiner diesjährigen Ernte war ich sehr zufrieden. Die Erdbeerernte war nicht so reich wie im Vorjahr, das lag aber sicherlich auch daran, dass das Feld recht starken Beiwuchs hatte, die Apfel- und besonders die Quittenbäume der Obstwiesen haben erneut sehr viel Obst getragen (Quitten 140 kg, Äpfel etwa 75 kg). Wir haben einen Großteil davon zur Mosterei gebracht und haben dann 48 Kisten mit Apfel- und Quittensaft wieder zurückbekommen, unser Vorrat für den Winter. Die Brombeeren haben wie eigentlich jedes Jahr wieder überreich getragen, so dass wir – wie jedes Jahr – einen Großteil unbeerntet für die Tierwelt gelassen haben.  Unser Kirschbaum hat dieses Jahr das erste Mal eine nennenswerte Ernte eingebracht, die sofort im Kirschkuchen und zum Vernaschen verwendet wurde. Leider sind die Johannisbeer- und Stachelbeersträucher nun schon im zweiten Jahr in Folge dem Dürrestress nicht gewachsen gewesen, ich überlege ernsthaft, sie durch ein anderes Beerenobst zu ersetzen. Das werde ich in den Wintermonaten recherchieren und dann entscheiden, vielleicht entscheide ich mich für Himbeeren. Tomaten, Zucchini und Paprika haben reichlich getragen und die Ernte war konstant gut ab Anfang Juli bis in den November hinein. Die Kartoffeltürme sind schon lange abgeräumt und haben etliche Kilo Kartoffeln für die Kartoffelkiste ergeben, eine einzige Süßkartoffel-Pflanze hat 4 kg der Knollen geliefert, und etliche Hokkaidos und Butternutkürbisse stehen aufgereiht in der Vorratsecke und warten auf ihre Verarbeitung. Für diesen Ertrag habe ich von Januar bis heute ca. 390 Stunden Arbeit im Garten geleistet., aus meiner Sicht ein gutes Ergebnis.
Wir leben, bis auf die frischen Wintergemüse, von Gelagertem (Kürbisse, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Äpfel, Walnüsse usw.), Getrocknetem (Bohnen, Blüten als Schmuckdrogen für Teemischungen und alle Arten von Kräutersalz), Gedörrtem (Äpfel, Tomaten, Pilze, Waldmeister, Minzen und Teekräuter, Lavendel- und Potpourrimischungen, und Lavendelzucker-Mischungen usw.), Eingekochtem (Rhabarber- und Obstkonfitüren & Chutneys), Fermentiertem (Essige, Pickles & Co,) Angesetztem (Quitte, Schlehen und Brombeeren) und Tiefgefrorenem, die Kühltruhe ist gefüllt mit Portionen von Bärlauch, Basilikum, Porree, Mangold, Kohlrabi, Palmkohl, Zucchini, Gemüsepaprika u.v.m.  Unser Honig versüßt die Christstollen und jegliches Gebäck in der Weihnachtsbäckerei (sehr stolz bin ich darauf, dass ich seit über einem Jahr keinerlei raffinierten Weis-Zucker mehr kaufen musste). Außerdem lagern in der Kühltruhe die in unserem Holzofen selbstgebackenen Brote, Brötchen und Kuchen. Wir werden gut über den Winter kommen, ohne auf konventionell erzeugte landwirtschaftliche Produkte zurückgreifen zu müssen, wofür ich sehr dankbar bin.
In unserem ein Hektar großen Waldstück neben der Bienenwiese bleibt es jedenfalls wild, auch wenn wir dort erneut einige große Birken herausgenommen haben, um das Holz nutzen zu können. Außerdem habe ich einen etwa 300qm großen Bereich kontinuierlich von Schösslingen, Wild- und Aufwuchs ebenso wie von Brombeeren befreit, um dort evtl. im Verlauf der nächsten 2-3 Jahre einen Waldgarten anlegen zu können. Es ist ein Experiment, und ich werde im weiteren Verlauf hier weiter davon berichten. Abgesehen davon haben wir in dem Wald in diesem Jahr der Natur völlig ihren Lauf gelassen. 
Ich hatte auch in diesem Jahr im Mai und Juni wieder vier gut besuchte Termine meines Permakultur-Gartens im Rahmen der Veranstaltungen der Offenen Gärten am Niederrhein und zwei weitere für geschlossene Permakultur-Gruppen. Meine subjektiven Beobachtungen aus dem Vorjahr hinsichtlich der Besucherstruktur haben erneut bestätigt, dass offenbar immer mehr „junge“ Familien sich für das Thema zu interessieren beginnen und Fragen stellen rund um das Thema Permakultur. Auf jeden Fall finde ich diese Entwicklung sehr erfreulich und bin gespannt, ob sich das auch im nächsten Jahr fortsetzen wird. Das Saatgut aus dem schönen Permakultur-Garten in Gratsch bei Meran: „Pflanz Gutes“ hat sich unterschiedlich erfolgreich bei der Anzucht gezeigt, die Zuckermelonensamen sind aufgelaufen und haben drei (kleine) Früchte erbracht, Tomaten, Zucchini und Kürbisse allerdings sind erst gar nicht aufgegangen, die Habaneros allerdings schon, sie haben etliche Früchte getragen und stehen jetzt noch unbeschadet im Gewächshaus. Im Endergebnis also ein gemischtes Bild, und die Frage, ob sich Saatgut grundsätzlich aus einer Klimaregion in eine (benachbarte) andere Region übertragen lässt, bleibt zunächst unbeantwortet. 
Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, mein besonderes Augenmerk auf den Aufbau des Bodens zu legen. Da geht noch mehr als bisher. Denn was wirklich zählt, ist- für Gärtner - kurz gesagt:

Though the problems of the world are increasingly complex, the solutions remain embarassingly simple: Grow food. Care for the land. Build systems that support life.
(Bill Mollison)

 

Jahresrückblick 2026

 

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